Straßenbahn auf Reisen

Glücklicherweise kommt es selten vor, dass unsere Straßenbahnen in einen größeren Unfall verwickelt sind. Doch wie geht es weiter, wenn genau das passiert und die Straßenbahn in Mitleidenschaft gezogen wurde? So geschehen im Dezember 2018, als eine unserer Bahnen auf der Linie 4 in Griesheim unterwegs war und mit einem Kleintransporter zusammenstieß.
Noch bevor die Straßenbahn unter Polizei-Eskorte in unserer Werkstatt ankam, war schnell klar, dass Trieb- und Beiwagen durch den Unfall erheblich beschädigt wurden und für Monate ausfallen würden. „Der Schaden an Trieb- und Beiwagen war damals wirklich außergewöhnlich“, erinnert sich Roman Göpfert, Sachgebietsleiter unserer Straßenbahnwerkstatt. Mittlerweile rollt die Straßenbahn wieder über Darmstadts Gleise. Doch wie fand sie nach dem Unfall wieder zurück in den Betrieb?

Begutachtung des Unfallschadens: Was ist kaputt? Wie geht es weiter?

Unsere Meister in der Straßenbahnwerkstatt begutachteten zunächst den gesamten Unfallschaden an der Straßenbahn. Hinzu kamen noch verschiedene externe Gutachter, zum Beispiel von der Dekra, dem TÜV oder der Versicherung. Anhand der angefertigten Gutachten wurde entschieden, dass der Unfallschaden nicht in unserer Straßenbahnwerkstatt aufgearbeitet werden konnte. Ausschlaggebend hierfür waren neben den gesplitterten Fensterscheiben vor allem die schweren Beschädigungen im Karosseriebereich. Es stand also fest, dass unsere Straßenbahn zu einer externen Firma, welche auf die Unfallinstandsetzung von Straßenbahnen spezialisiert ist, zur Reparatur gebracht werden musste. In solchen Fällen kann sich die Reparatur durchaus ein bis zwei Jahre in die Länge ziehen.
Dies kommt allerdings selten vor. In der Regel können unsere Straßenbahnen innerhalb von einer Woche mithilfe einer Fremdfirma für Schweißarbeiten in unserer Straßenbahnwerkstatt instandgesetzt werden. Ob eine Straßenbahn bei einer Fremdfirma vor Ort repariert werden muss oder bei uns repariert werden kann, richtet sich nach der Schwere der Beschädigungen.

Für die Straßenbahn gehts ins über 300 Kilometer entfernte Halberstadt. Was musste davor erledigt werden?

Bevor das Transportunternehmen die beschädigte Straßenbahn abholen konnte, mussten aufgrund des hohen Gewichts verschiedene elektronische Komponenten auf dem Dach der Straßenbahn, zum Beispiel der Stromabnehmer, abgebaut werden. Durch den Ausbau wurde der Schwerpunkt der Straßenbahn nach unten verlagert, was den Transport erleichterte. Außerdem mussten die Baupläne und sonstige Unterlagen von der beschädigten Straßenbahn der Fremdfirma zur Verfügung gestellt werden.

Die Straßenbahn macht sich auf den Weg in den Harz

Damit das Transportunternehmen die Straßenbahn auf einen Schwertransporter aufzuziehen konnte, bedurfte es starke Unterstützung einiger Straßenbahnwerkstatt-Mitarbeiter*innen. Dann konnten zunächst unser Triebwagen und einige Zeit später auch unser Beiwagen getrennt voneinander die weite Reise in den Harz antreten.
Genauer gesagt: nach Halberstadt. Denn dort hat die VIS Verkehrs Industrie Systeme GmbH (VIS) ihren Sitz. Besonders während der externen Aufarbeitung des Unfallschadens war eine sehr intensive Kommunikation mit der Aufarbeitungsfirma nötig. Hierfür bildete die HEAG mobilo eine eigene Arbeitsgruppe aus verschiedenen Bereichen der Straßenbahnwerkstatt, sodass in der Regel circa zehn Mitarbeiter*innen in den Prozess eingebunden waren. Neben kleinsten Einzelteilen mussten auch Straßenbahntüren oder -fenster aus dem eigenen Lager in Darmstadt bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden. Es fand ein ständiger Informations- und Materialfluss zwischen uns und der VIS statt.

Der reparierte Triebwagen in Halberstadt kurz vor Abfahrt nach Darmstadt
Der reparierte Triebwagen in Halberstadt kurz vor Abfahrt nach Darmstadt

Abnahme der Straßenbahn und Wiedereinführung ins Straßenbahnnetz

Februar 2021. Nach über zwei Jahren nahmen wir die vollständig funktionsfähige Straßenbahn wieder an unserem Betriebshof am Böllenfalltor in Empfang.
Hierfür lud die Transportfirma die instandgesetzte Straßenbahn in Zentimeterarbeit ab. Anschließend bauten wir die vorab abgebaute Elektronik wieder ein und führten an Trieb- und Beiwagen eine Hauptuntersuchung durch. Als Nächstes wurde geprüft, ob noch zusätzliche technische Änderungen am Fahrzeug vorgenommen werden mussten – schließlich tut sich innerhalb von ein bis zwei Jahren auch dahingehend einiges. Bevor die Straßenbahn wieder ihren Betrieb aufnehmen konnte, musste eine letzte Probefahrt und eine Bremswegmessung nach BOStrab (Verordnung über den Bau und Betrieb der Straßenbahnen) durchgeführt werden. Das Resultat: Alle Komponenten an der Straßenbahn funktionierten einwandfrei. Der Wiederaufnahme des Betriebs der reparierten Straßenbahn stand nichts mehr im Wege.

Am 24. Februar konnten wir die reparierte Straßenbahn nach über 2 Jahren wieder an unserem Betriebshof am Böllenfalltor in Empfang nehmen

 

Die Entladung der Straßenbahn haben wir in einem kleinen Zeitraffer festgehalten:

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