Sedumgleis: Eine Investition in Artenvielfalt

Die Themen Nachhaltigkeit und Umwelt sind für uns wichtige Anliegen. Deutlich sichtbar wird das im Bereich der Straßenbahninfrastruktur, wo sich die Kolleginnen und Kollegen neben Asphalt und Pflaster auch um die Begrünung der Gleisanlagen kümmern. Über 11 Prozent unserer Gleise sind aktuell als Rasengleis angelegt. Und die Erfahrung sind positiv: Die Gleisanlagen sind leiser, sie strahlen im Sommer weniger Hitze aus und es wird ein Stück Natur in städtische Verkehrsanlagen integriert. Allerdings bringen Rasengleise neue Herausforderungen mit sich. Rasen ist sehr pflegeintensiv, da er regelmäßig gemäht werden muss. Durch die Mahd kann sich über mehrere Jahre eine dicke Humusschicht entwickeln, die am Ende dazu führt, dass die Bahnen aufsetzen und spätestens dann der gesamte Rasenbereich erneuert werden muss. Das war 2019 bei unserem Rasengleis in der Nieder-Ramstädter Straße der Fall.

Sedumpflanzen statt Rasen

In den Überlegungen zur Sanierung kam die Idee auf, in diesem Bereich auf eine Bepflanzung mit Sedumgewächsen zu setzen. Sedum ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) mit rund 420 Arten, die sich vor allem durch eine langanhaltende Blühzeit sowie eine große Hitzeverträglichkeit auszeichnet. In einigen großen Städten wie Köln, Düsseldorf oder Berlin wird bereits seit vielen Jahren erfolgreich Sedum gepflanzt. Auch auf dem Dach unserer Bushalle am Böllenfalltor gedeiht bereits auf rund 5.600 Quadratmetern Sedum. Viele Bienen und andere Insekten finden dort ihre Nahrung und die Blüten der Pflanzen bieten auch etwas fürs Auge.
Gemeinsam mit dem Umweltamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt haben wir das Vorhaben diskutiert und der Gedanke, durch die Sedumpflanzen nicht nur eine pflegeleichte Alternative zu wählen, sondern bewusst auf eine nachhaltige und biodiverse Lösung zu setzen, wurde auch vonseiten der Stadt begrüßt. Somit fiel die Entscheidung, auf insgesamt 3.000 Quadratmetern den Rasen durch Sedum zu ersetzen.

Biodivers und wassersparend

In den Detailplanungen haben wir uns bewusst für neun verschiedene Sedum-Arten entschieden, um eine größere Biodiversität zu fördern und Insekten ein vielfältiges Nahrungsangebot zu bieten, darunter Weiße Fetthenne oder auch Scharfer Mauerpfeffer. An ihren weißen und gelben Blüten sind sie gut erkennbar. Ein weiterer wichtiger Pluspunkt dieser Pflanzenfamilie ist ihre größere Hitzeverträglichkeit, sodass heiße Sommermonate ihnen weniger Schaden zufügen als herkömmlicher Rasenflächen. Außerdem muss das Sedum in der Regel nicht mehr künstlich bewässert werden, und wir können so sparsamer mit der wichtigen Ressource Wasser umgehen.
Mit diesem Wissen wagten wir uns an das Projekt Sedumbepflanzung in der Nieder-Ramstädter Straße. In den Sommerferien 2019 wurden dort Rasensoden im Gleisbereich entfernt und durch Sedum ersetzt. Dafür waren die Sedumpflanzen mit einem Vorlauf von fast einem Jahr vorkultiviert worden, bevor sie dann auf den Vegetationsmatten direkt zur Baustelle geliefert wurden. Der Einbau des Sedums ist komplex und erfordert präzises Arbeiten, denn. der Aufbau setzt sich aus mehreren Schichten zusammen, die das Wachstum der Pflanzen unterstützen und gleichzeitig vor Unkräutern und anderen Gewächsen schützen sollen. Eine perforierte Wurzelschutzfolie sorgt dafür, dass Regenwasser abfließen kann, denn ansonsten würden die Sedumgewächse bei starkem Niederschlag ertrinken. Als oberste Schicht wurde auf die Pflanzenmatten schließlich Kies aufgebracht, der die Funktion hat, die Pflanzen vor der Sogwirkung der darüberfahrenden Straßenbahnen zu schützen.

Positive Bilanz

Die Bauarbeiten in der Nieder-Ramstädter Straße waren pünktlich mit Abschluss der Sommerferien 2019 fertig. Im Mai dieses Jahres, also knapp neun Monate nach Bauende, fand zusammen mit Umweltgutachtern eine Begehung statt, in der den Pflanzen insgesamt ein gutes Anwachsen bescheinigt wurde. Dennoch befindet sich die Sedumbegrünung in diesem Bereich noch am Beginn. Unsere Kollegen aus dem Sachgebiet Fahrweg werden noch bis 2022 Entwicklungspflege betreiben und das Wachstum der Pflanzen genau verfolgen. Erst in zwei Jahren kann dann abschließend beurteilt werden, ob der Wechsel zum Sedumgleis erfolgreich abgeschlossen ist oder hier gegebenenfalls noch nachgebessert werden muss.

Sedum auch auf der Lichtwiese

Das nächste Sedum-Projekt hat bereits begonnen: Auch bei der Lichtwiesenbahn setzen wir auf die Dickblattgewächse. Darüber wurde im vergangenen Jahr in der Presse berichtet, und auch wir haben hierzu auf einer öffentlichen Veranstaltung im November informiert. Insgesamt kommen also im Laufe des nächsten Jahres hier 6.750 Quadratmeter dazu. Die Anregung kam vom Naturschutzbeirat der Wissenschaftsstadt Darmstadt, in dem alle relevanten Umwelt- und Naturschutzorganisationen versammelt sind.
Abschließend lässt sich festhalten: Die Sedumbepflanzung bringt betriebliche Vorteile mit sich. Aber damit sind auch höhere Baukosten als beim Rasengleis verbunden. Wir investieren somit buchstäblich in eine Zukunft der Artenvielfalt. Und in diesem Sommer ließ sich bereits beobachten, dass es sich bezahlt macht: Während das Rasengleis zwischen Herdweg und Haltestelle „Hochschulstadion“ braun und vertrocknet war, haben die Sedumpflanzen im restlichen Bereich unserer Gleisanlagen in der Nieder-Ramstädter Straße die Hitze gut überstanden.

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